Quellen:Hein, Barbara: Apokalypse in Zeitlupe. In: Art. Das Kunstmagazin Februar 2006. S. 18-25.
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Eine lose Untersuchung von Müll.
Quellen:Wie der Name schon sagt, handelt es sich bei „Mondo Cane“ um einen so genannten „Mondo-Film“, im Falle von „Mondo Cane“ sogar um den ersten aller „Mondo-Filme“, den Begründer des „Mondo-Genres“. Ein „Mondo-Film“ zeichnet sich dadurch aus, dass er in einer collageartigen Ansammlung verschiedenste Einzelszenen zeigt, deren einzige Gemeinsamkeit auf den ersten Blick (und im Regelfall auch auf den zweiten und dritten) ihre Kuriosität, Sensationsgier oder gar Ekelhaftigkeit zu sein scheint. Gualtiero Jacopettis „Mondo Cane“ mag hier vielleicht eine Ausnahme darstellen, was hier aber nichts zur Sache tut. Hier geht es um die einundzwanzigste Szene des Films.
Eingebettet in einen kleinen Themenkomplex zum Thema Menschenknochen beginnt sie mit dem (eigenartigen) Satz: „In Rom hängt man dem Tod den Mantel der Unsterblichkeit um“. Daraufhin sieht man ein bis in die letzte Ritze fein säuberlich mit menschlichen Gebeinen ausstaffierten Gewölbekeller, in dem die Mönche des Kapuziner-Ordens seit Jahrhunderten „nicht nur die Erinnerung, sondern auch die Gebeine ihrer Toten aufbewahren“. Dies mag zunächst wenig spektakulär klingen. Im „sakralen Raum“ wird eine derartige Verfahrensweise auch vermutlich nichts ungewöhnliches sein. „Eine Mahnung an die Vergänglichkeit allen Lebens, aber auch ein Beweis für die Unvergänglichkeit der Liebe, die den Tod überlebt“, wie der Sprecher in gleichmütigem Tonfall aus dem Hintergrund kommentiert. Aus einem weiteren Kommentar des Sprechers ergibt sich nun, dass es sich bei den Toten vornehmlich um Pestopfer handelt, die die Mönche im Mittelalter fürsorglich bei sich aufgenommen (und bis heute dabehalten) haben. Das aber auch nur am Rande.
Die eigentliche Absurdität der Szene eröffnet sich dem Betrachter nun im „alljährlichen Großreinemachen“. Neben gänzlich in Rot gekleideten, von Kopf bis Fuß vermummten betenden Mönchen haben sich Menschen aller Altersklassen (aber vornehmlich Kinder) eingefunden um sämtliche Knochen und Schädel zu reinigen. Begleitet von fröhlicher Musik sitzen sie mit Pinsel und Lappen bewährt vergnügt in der Gruft und reinigen die Gebeine der Toten, und das mit einer verstörenden Selbstverständlichkeit.
Ein „klassischer“ Zombie ist zunächst einmal ein gewöhnlicher Mensch, dessen Leichnam nach seinem Ableben im Regelfall begraben wird. Schon im Ort des Begräbnisses kann nun die Ursache für die „Veränderung“ und Wiederauferstehung des Verstorbenen liegen. Wird der Tote beispielsweise auf einem verfluchten Indianerfriedhof begraben, ist sicher davon auszugehen ihn früher oder später in - zumindest körperlich - lebendiger Form wieder anzutreffen.
Falls der Leichnam auf einem „durchschnittlichen“ Friedhof zur letzten Ruhe gebettet ist, besteht - in der Literatur und im Film - eine weitere Möglichkeit zur Wiedererweckung. Die des Rituals. Mittels, natürlich meistens bösartiger, Magie wird der tote Körper von einem Zauberkundigen erweckt. Das besondere hierbei ist, dass der Untote nach seiner Auferstehung nicht wie im ersten Beispiel auf sich allein gestellt ist, sondern sich für gewöhnlich seinem „Erwecker“ dankbar unterwirft.
Eine dritte Möglichkeit des untot-werdens ist recht schnell und unterscheidet sich von den vorhergehenden in dem Punkt, dass man zuvor nicht, oder aber nur sehr kurz tot ist. Oftmals führen bei fehlgeschlagenen biologischen Experimenten freigesetzte verseuchte Dämpfe bei lebendigen Menschen zum gleichen Resultat wie verhexte Indianerfriedhöfe oder dunkle Beschwörungsritualien.
Zur Zielsetzung eines Untoten komme ich in einem späteren Eintrag.
