Donnerstag, 11. Oktober 2007

Untote IV - Was macht ein Zombie?

Wie der vorhergehende Untoten-Eintrag zeigt, kann man in der Regel nicht selbst bestimmen, ob man nach seinem Tod nun ein Zombie werden will oder nicht. Als Lebender hat man allenfalls die Möglichkeit, sich von einem Untoten beißen zu lassen, oder sich wissentlich einem giftigen Gas oder ähnlichem auszusetzen, von dem man vorher weiß das man nach erfolgtem Kontakt zum Zombie wird.

Das Thema hier soll aber zunächst die Selbstbestimmung sein. Was unterscheidet einen Untoten von einem lebendigen Menschen?

Ein Zombie hat erstens ein anderes Erscheinungsbild: je nach Grad der Verwesung ist die Haut eines „klassischen“ Untoten bräunlich oder grün, meistens sind ein paar Zähne ausgefallen und die Kleidung ist dreckig und zerfetzt.

Zweitens bewegt sich ein Zombie anderst als ein lebendiger Mensch. Zombies sind steif und wenig gelenkig. Sie bewegen sich in der Regel eher langsam.

Drittens können Untote, in Ausnahmefällen bis auf wenige Worte, nicht Sprechen. Sie stoßen allenfalls seufzende Laute aus.

Der Grund dafür, und damit bin ich beim Punkt, ist die eingeschränkte, größtenteils fehlende Gehirnaktivität. Der klassische Untote hat nur ein Ziel: zu Fressen und auf diesem Wege neue Untote zu produzieren. Meistens ist es nämlich so, dass das Blut und auch der Speichel (wahrscheinlich auch noch andere Körperflüssigkeiten) des Zombies, die eine oder andere Art von Virus enthält, der bei entsprechendem Kontakt mit dem Blutkreislauf „normaler“ Menschen dafür sorgt, dass der eben noch „normale“ Mensch über kurz oder lang selbst zum Zombie wird, der es sich dann wiederum zur Aufgabe macht, weitere Zombies zu produzieren.

Problematisch wird es hierbei erst, wenn dann schlussendlich alle vorher „normalen“ Menschen zu Zombies geworden sind. Was in einem solchen Fall passiert muss ich noch nachschlagen.

Quellen:
http://macteens.com/gallery/albums/userpics/10104/zombie.jpg

Dienstag, 25. September 2007

...

"Die Massen von Luxusmüll machen mich krank - und trotzdem sehen sie faszinierend aus." Am 17. Januar 2003 annulierte der bis dato erfolgreiche Rechtsanwalt Chris Jordan seine Lizenz um Fotograf zu werden. Und das aus edlen Gründen. Chris Jordan will die Welt verbessern. Mit Bildern wie "Cigarette Butts (2005)" macht er auf den Irrsinn des Zivilisationsmülls aufmerksam. "Auf der Welt werden pro jahr vier Billionen Zigarettenkippen weggeworfen. Das sind 126.000 in einer Sekunde. So eine Zahl ist abstrakt. Erst wenn man sie sieht, wird sie dramatisch."

Quellen:
Hein, Barbara: Apokalypse in Zeitlupe. In: Art. Das Kunstmagazin Februar 2006. S. 18-25.
http://www.chrisjordan.com/

Montag, 24. September 2007

Knochen

Nach den ersten Zombie-Einträgen nun ein Exkurs zu einem „ähnlichen“ Thema. Im Folgenden geht es um Gebeine. Um Totenköpfe und Knochen. Und um das Sammeln und Aufbewahren. Doch zunächst geht es um den Film „Mondo Cane“.

Wie der Name schon sagt, handelt es sich bei „Mondo Cane“ um einen so genannten „Mondo-Film“, im Falle von „Mondo Cane“ sogar um den ersten aller „Mondo-Filme“, den Begründer des „Mondo-Genres“. Ein „Mondo-Film“ zeichnet sich dadurch aus, dass er in einer collageartigen Ansammlung verschiedenste Einzelszenen zeigt, deren einzige Gemeinsamkeit auf den ersten Blick (und im Regelfall auch auf den zweiten und dritten) ihre Kuriosität, Sensationsgier oder gar Ekelhaftigkeit zu sein scheint. Gualtiero Jacopettis „Mondo Cane“ mag hier vielleicht eine Ausnahme darstellen, was hier aber nichts zur Sache tut. Hier geht es um die einundzwanzigste Szene des Films.

Eingebettet in einen kleinen Themenkomplex zum Thema Menschenknochen beginnt sie mit dem (eigenartigen) Satz: „In Rom hängt man dem Tod den Mantel der Unsterblichkeit um“. Daraufhin sieht man ein bis in die letzte Ritze fein säuberlich mit menschlichen Gebeinen ausstaffierten Gewölbekeller, in dem die Mönche des Kapuziner-Ordens seit Jahrhunderten „nicht nur die Erinnerung, sonde
rn auch die Gebeine ihrer Toten aufbewahren“. Dies mag zunächst wenig spektakulär klingen. Im „sakralen Raum“ wird eine derartige Verfahrensweise auch vermutlich nichts ungewöhnliches sein. „Eine Mahnung an die Vergänglichkeit allen Lebens, aber auch ein Beweis für die Unvergänglichkeit der Liebe, die den Tod überlebt“, wie der Sprecher in gleichmütigem Tonfall aus dem Hintergrund kommentiert. Aus einem weiteren Kommentar des Sprechers ergibt sich nun, dass es sich bei den Toten vornehmlich um Pestopfer handelt, die die Mönche im Mittelalter fürsorglich bei sich aufgenommen (und bis heute dabehalten) haben. Das aber auch nur am Rande.

Die eigentliche Absurdität der Szene eröffnet sich dem Betrachter nun im „alljährlichen Großreinemachen“. Neben gänzlich in Rot gekleideten, von Kopf bis Fuß vermummten betenden Mönchen haben sich Menschen aller Altersklassen (aber vornehmlich Kinder) eingefunden um sämtliche Knochen und Schädel zu reinigen. Begleitet von fröhlicher Musik sitzen sie mit Pinsel und Lappen bewährt vergnügt in der Gruft und reinigen die Gebeine der Toten, und das mit einer verstörenden Selbstverständlichkeit.

Quellen:
Jacopetti, Gualtiero: Mondo Cane. Italien 1962.

Donnerstag, 19. Juli 2007

Untote III - Der Zombie

Ein „klassischer“ Zombie ist zunächst einmal ein gewöhnlicher Mensch, dessen Leichnam nach seinem Ableben im Regelfall begraben wird. Schon im Ort des Begräbnisses kann nun die Ursache für die „Veränderung“ und Wiederauferstehung des Verstorbenen liegen. Wird der Tote beispielsweise auf einem verfluchten Indianerfriedhof begraben, ist sicher davon auszugehen ihn früher oder später in - zumindest körperlich - lebendiger Form wieder anzutreffen.

Falls der Leichnam auf einem „durchschnittlichen“ Friedhof zur letzten Ruhe gebettet ist, besteht - in der Literatur und im Film - eine weitere Möglichkeit zur Wiedererweckung. Die des Rituals. Mittels, natürlich meistens bösartiger, Magie wird der tote Körper von einem Zauberkundigen erweckt. Das besondere hierbei ist, dass der Untote nach seiner Auferstehung nicht wie im ersten Beispiel auf sich allein gestellt ist, sondern sich für gewöhnlich seinem „Erwecker“ dankbar unterwirft.

Eine dritte Möglichkeit des untot-werdens ist recht schnell und unterscheidet sich von den vorhergehenden in dem Punkt, dass man zuvor nicht, oder aber nur sehr kurz tot ist. Oftmals führen bei fehlgeschlagenen biologischen Experimenten freigesetzte verseuchte Dämpfe bei lebendigen Menschen zum gleichen Resultat wie verhexte Indianerfriedhöfe oder dunkle Beschwörungsritualien.

Zur Zielsetzung eines Untoten komme ich in einem späteren Eintrag.

Montag, 9. Juli 2007

...

Müll ist nicht gleich Müll. Es kommt darauf an, wer diesen wo hinterlässt. Das Bild zeigt den Inhalt der Mülltonne der Popsängerin Madonna. Im Museum zur Schau gestellter „Celebrity Müll“, und somit Kunst. (Und damit dann auch wieder Müll im Sinne vom „Trash“?)

Die beiden Franzosen Bruno Mouron und Pascal Rostain durchwühlen seit 15 Jahren die Mülltonnen berühmter Hollywood-Größen, Musikstars und Spitzenpolitiker, und setzen die Fundstücke anschließend zu einer Art „Psychogramm“ zusammen.


Quellen:
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2004/0713/vermischtes/0036/index.html
http://relationsmedia.photographie.com/magazine/agenda/112477/img/upload/trash.jpg

Untote II - Versuch der Definition

„Untot“ bedeutet, anders ausgedrückt, soviel wie „nicht-tot“. Gleichzeitig stellt „untot“ auch kein Synonym für „lebendig“ oder „lebend“ dar. (Was ja alle lebenden Wesen zu Untoten machen würde.) Der Begriff „untot“ beschreibt vielmehr einen paradoxen Zustand zwischen Leben und Tod, der sich dadurch auszeichnet, dass der Untote sowohl signifikante Merkmale des „lebendig-seins“ wie auch des „tot-seins“ aufweist. Der Untote ist damit weder (vollkommen) lebendig noch (vollkommen) tot, sondern immer gleichzeitig tot und lebendig, wobei je nach Form des Untoten die eine oder die andere Seite überwiegt.

Samstag, 19. Mai 2007

Untote I

Geht man davon aus das es sich beim „Trash“ um ein vergängliches Objekt handelt, dass nach seinem „ableben“ zu Müll wird, bevor es sich schließlich in veränderter Form wieder als dauerhaft etabliert, findet sich für dieses Phänomen kaum ein besseres Beispiel als der Untod bzw. der Untote. Ein Untoter ist zunächst ein Mensch als vergängliches, in diesem Fall sterbliches Objekt. Nach seinem Ableben wird der Mensch bzw. sein sterblicher Körper (drastisch ausgedrückt) zu Müll. Seine Überreste werden verbrannt und/oder an Orten aufbewahrt, an denen sich die Lebenden nicht an ihnen stören. Anders als beim anfallenden Hausmüll sind die Aufbewahrungsorte Verstorbener zwar zur Trauer und zum Gedenken namentlich gekennzeichnet und werden mit Würde und Respekt behandelt, dennoch ist der Platz eines Leichnams (zumindest in der westlichen Welt) gleich dem Müll nicht innerhalb sondern außerhalb der Gesellschaft. Kehrt der Tote nun auf die eine oder andere Weise (mehrere Ansätze werden im Folgenden behandelt) als Untoter wieder zu den Lebenden zurück verliert er sowohl seinen Status als Müll (nutzloser Überrest) wie auch seinen Status als Mensch und geht in einen neuen Status, einen dauerhaften Zustand zwischen Mensch und Müll, das „untot-sein“ über. Es existieren zahlreiche Formen und Varianten des Untoten in Volksglauben wie Popkultur. Leichenfressende Ghouls, unheimliche Wiedergänger oder blutrünstige Zombies. Doch dazu mehr in einem nächsten Eintrag.

Quellen:
Thompson, Michael: Mülltheorie. Über die Schaffung und Vernichtung von Werten. Essen 2003.